Baugeschichtliches

Schriftliche Belege zum Bau sind selten, so dass vor allem Beobachtungen am Gebäude selber zur Erschliessung der Baugeschichte helfen müssen. Teile aufgehenden mittelalterlichen Mauerwerks könnten bei Chor und Schiff erhalten geblieben sein. Die heutige Kirche hat ein barockes Gesicht. Sie wurde 1972/73 innen und 1986 mit Hilfe von Bund und Kanton einer Gesamtrestaurierung unterzogen.

Das Schiff wurde wahrscheinlich nach der Errichtung der Pfarrei 1720 in der heutigen Grösse (samt Fensteröffnungen und Dachstuhl) errichtet. Das Dorf war damals, wie die Plasselber dem Bischof auflisteten, von 10 auf 6o Haushalte (d.h. von so auf 300 Personen) angewachsen, so dass sich eine Vergrösserung der Kirche aufdrängte. Ausserdem erhielt das Dorf am 5. Mai 1725 vom Freiburger Rat zwanzig Kronen und vier Sack Hafer «zur vorhabenden Verbesserung und Restauration ihrer baufälligen Kirchen». Die Weihe nahm Bischof Joseph Hubert de Boccard erst am 29. Juni 1749 vor (um Jahre, bisweilen mehr als ein Jahrzehnt verspätete Kirchweihen waren üblich). Wir dürfen annehmen, dass die Bauarbeiten spä­testens in den 1730er Jahren vorgenomen wurden.

Neue Bautätigkeit folgte im frühen 19 Jh. 1795 stiftete Martha Marty-Neuhaus 200 Kronen für die Chorerhöhung und den Choraltar. Damals erhielt der Chor, unter Verwendung älterer Längsmauern, seine heutige Höhe und Tiefe samt Dachstuhl und wahrscheinlich auch die Befensterung (im Anschluss an die Schiffenster). Nicht 1795, sondern zwanzig Jahre später; der Chorbogen ist 1813 datiert, und für den neuen, bis heute erhaltenen Hauptaltar wurde noch 1817/18 eine Restzahlung gemacht.

Der Turm wurde nachträglich an das Schiff angesetzt. Dies zeigen im Inneren Baunähte zur Kirche und ein Rundfenster mit Giebel, welches ursprünglich das Schiff auf Emporenhöhe belichtete, doch heute in den (finsteren) Turm führt. Das Fenster ist barock und besitzt dasselbe kräftige Karniesprofil wie die Schiffenster und muss gleichzeitig wie diese (2. Viertel 18. Jh.) entstanden sein. Da das Dorf erst 1796 zwei grosse Glocken gekauft hat – eine kleine ist seit dem 15. Jh., eine mittelgrosse im 17. Jh. belegt – können wir annehmen, dass Plasselb den heutigen Turm erst im Hinblick auf die Geläuteerweiterung gebaut hat. Der Zehntplan aus den 1770er Jahren zeigt effektiv nur einen Dachreiter auf dem Chor, eine Einrichtung, welche die Plazierung von zwei kleineren Glocken gestattete. Der Dachstuhl des Spitzhelms ist 1825 datiert, wurde damals erstmals mit Ziegeln eingedeckt und war zu diesem Zeitpunkt bedeutend niedriger. Nach dem Blitzschlag von 1884 wurden Teile beibehalten und der Helhm erheblich erhöht. Gleichzeitig muss das heutige Glockengeschoss mit seinen grossen Zwillingsfenstern gemauert worden sein; das westliche Fenster ist 1885 datiert. Die Türgewände in der Eingangshalle bestätigen den Turmanbau ebenfalls; das innere Gewände mit seiner schönen Profilierung ist zur Aussenansicht gedacht.

Plasselb besass im Spätmittelalter noch keine Sakristei, und die liturgischen Ge­genstände und Gewänder wurden (1453) in einer Truhe aufbewahrt, die wahr­scheinlich im Chor stand. Wann eine erste Sakristei errichtet wurde, ist ungeklärt. 1849 war sie «feucht und klein» und stand eine private Stiftung für einen Neubau in Aussicht. Dieser scheint kurz darauf erstellt worden zu sein. Er wurde 1898 von Baumeister Pittet aufgestockt und erhielt die heutige Befensterung.

Der seit 1453 erwähnte, rund um die Kir­che angelegte Friedhof scheint bis heute ohne Unterbruch benutzt worden zu sein. Die Stützmauer wurde 1912 unter leichter Verlegung zum Dorfplatz hin erneuert. Gleichzeitig wurden wahr­scheinlich die schmiedeisernen Tore er­richtet.